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1.17 Königliche Diebe

The Royal Couple of Thieves

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~ Besetzung ~

Lucy Lawless (Xena)
Renee O'Connor (Gabrielle)
Bruce Campbell (Autolycus)
Mark Raffety (Arkel)
Grant Bridger (Sinteres)
Crawford Thomson (Prognese)
Arch Goodfellow (Kelton)
Patrick Khutze (Belart)
Ian Harrop (Magmar)
David Telford (Malthus)

Stab:
Drehbuch: Steven L. Sears
Musik: Joseph LoDuca
Schnitt: Jim Prior
Regie: John Cameron

Erstausstrahlung:
USA 19.02.96
BRD 23.02.97

~ Zusammenfassung ~

Eine Truhe unbekannten Inhalts - angeblich steckt die mächtigste Waffe der Welt darin - wird von Bösewicht Malthus gestohlen und soll an den meistbietenden Schurken verhökert werden. Xenas Freunde, die sie einst nach einer schweren Schlacht gesund pflegten und die die rechtmäßigen Bewahrer der Truhe sind, bitten die Kriegerin um Hilfe. Diese sieht schnell ein, dass es in dieser kniffligen Situation des geschickten Händchens des Meisterdiebs Autolycus bedarf. Der charmante Spitzbube ist schnell überredet (besser gesagt: er hat Xenas Argumenten am Ende nicht mehr viel entgegenzusetzen). Autolycus soll, als Kriegerphilosoph Sinteres verkleidet, um die Truhe mitbieten. Xena begleitet ihn. Schnell ist das wertvolle Stück lokalisiert, doch ehe Xenas und Autolycus' Plan greifen kann, wird Malthus ermordet. Als dann auch noch der echte Sinteres auftaucht, scheint alles verloren. Nicht zuletzt deshalb, weil er Gabrielle als Geisel genommen hat. In einem packenden Showdown bringt Xena den Bösewicht dann aber doch souverän zur Strecke und sorgt dafür, dass ihre Freunde die Truhe zurückbekommen.

~ Übersetzung Titel & Disclaimer ~

The Royal Couple of Thieves - Das Königspaar der Diebe

Erweiterung des Titels der Hercules Episode H2.01 Der Knig der Diebe, in der Autolycus seinen ersten Auftritt hatte. Außerdem Wortspiel mit dem Königspaar Laios und Iokaste, den Eltern von Ödipus, die nach ihrer Reichsstadt Theben auch "The Royal Couple of Thebes" genannt wurden.

Disclaimer

No Ancient and Inflexible Rules governing moral behavior were harmed during the production of this motion picture.

Keine alten und starren Regeln, die das moralische Verhalten bestimmen, wurden während der Produktion diese Films verletzt.

~ Kommentar ~

Geschlechterrollen
"Autolykos...der sich auf allerlei Ränke verstand, Weiß in Schwarz und Schwarz in Weiß zu verwandeln gewohnt und in seinen Listen ganz der Vater [Merkur] war". Das ist der einzige Satz, der sich in Ovids Metarmorphosen zu Autolycus findet und damit gehört der König der Diebe zu den Randgestalten der griechisch-römischen Mythologie. Bruce Campbells Autolycus hat denn auch mehr mit dem klassischen Hollywood zu tun, ist er doch eine Hommage und Parodie auf Errol Flynn, bekannt als Titelheld des Films "Die Abenteuer des Robin Hood (1938)". Sieht man genau hin erkennt man, dass Campbell die klassischen Posen des Abenteurers einnimmt um sie im nächsten Moment ins Komische zu überdrehen. Und Campbell ist zumindest schauspielerisch den beiden Damen voraus, auch wenn einige Fans gegen diese Meinung protestieren würden. Dafür muss er sich in seiner Rolle als männlicher Abenteurer unseren Heldinnen geschlagen geben. Den ersten Auftritt hatte Autolycus in der Hercules Episode H2.01 Der Knig der Diebe, wo die Robin Hood Parodie noch deutlicher ist. Vergleicht man seine Darstellung mit der Hercules Episode fällt auf, dass die Rolle für Xena etwas geändert wurde. Bei Hercules schwang sich Autolycus noch tarzanmäßig durch den Wald, vollführte Sprünge und Luftsalti und bildete damit einen agilen Kontrast zum etwas schwerfälligen und bodenverhafteten Hercules. Bei Xena ist Luftakrobatik aber Sache der Titelheldin und so agiert Autolycus wesentlich tapsiger. Xena duldet eben keine männliche Konkurrenz und bis zur völligen Slapstickfigur des Joxer ist es nicht mehr weit. Den klassischen Abenteurer darf er nur noch spielen, genauso wie Xena die klassische Frauenrolle nur als Verkleidung benutzt.
Filme über Kriegerinnen bergen die Gefahr, dass bei all den männlichen Attributen das weibliche so in den Hintergrund tritt, dass eine Art Mannweib wie G.I. Jane herauskommt. Da fragt sich der Zuschauer warum man dann nicht gleich einen Mann nimmt. Denn es ist fraglich, ob Emanzipation bedeuten soll, dass die Frau dem Mann auch genetisch ähnlich wird, erinnert man sich doch mit Grausen an die mit männlichen Hormonen gedopten Kraftsportlerinnen der 80er Jahre. Es lebe der Unterschied und um den herauszustellen verwenden viele "Warrior Women" Filme ähnliche Techniken. Ein Attribut zu Sicherung der Weiblichkeit sind natürlich sexy Kostüme. Kommt naturgemäß auch beim männlichen Publikum an und nicht umsonst wird Gabrielles Bustier mit zunehmender Kampfkraft immer knapper. Es muss auch nicht immer sexy, sondern kann auch schlicht "modisch" sein, wie bei Buffy, die in jeder Episode andere Designerklamotten an hatte, was bei Xena nun so nicht funktioniert. Eine weitere Variante ist es der Heldin ein Kind zur Seite zu stellen wie in Aliens - Die Rückkehr oder in Ultraviolett. Männliche Krieger laufen so gut wie nie mit Kind durch die Gegend. Aber man kann die Mutterrolle als Vereinigung von Mini-Familie und Kriegerinnenberuf durchaus positiv sehen. Dies wird bekanntlich in späteren Staffeln Thema werden. Ein weiteres Stilmittel ist der zeitweise Rollentausch von der "Warrior Woman" zur "Attractive Woman". Schon Seven of Nine durfte im Holodeck der Voyager ihre langen Haare wallen lassen, damit jeder sehen konnte, dass hinter dem Cyborg noch ein weibliches Wesen steckt. Ultraorthodoxe Feministinnen werden zwar hinter all dem ein reaktionäres männliches Denken vermuten, aber die schauen wahrscheinlich auch aus diesem Grund nicht Xena an.
Für Xena gibt es in den ersten Staffeln zwei typischen Frauenrollen. Einmal als Doppelgängerin in den Warrior..Princess Episoden und dann, wie schon in "Cradle of Hope" als konformes Weibchen zum Zwecke der Tarnung und Täuschung. In dieser Episode findet der Rollentausch zwischen Rahmenhandlung und Mittelteil statt und betrifft nicht nur Xena sondern auch Autolycus. Am Anfang und am Ende der Episode ist die Kriegerin zu sehen, zu Erkennen an der typischen Xena Rüstung. Sie ist dem Nachfahren Errol Flynns kampftechnisch überlegen. Besonders symbolisch die Szene in der sie Autolycus den Kopf unter Wasser taucht und als er nachher am Boden liegt kommandiert "On your feet". Wobei er immerhin mit Humor dagegenhalten kann "No, this is fine". Im Mittelteil werden die Rollen umgedreht: Autolycus in der klassischen Macho Rolle und Xena als Konkubine. Diese lässt keinen Zweifel, dass ihr diese Rolle nicht behagt und der Witz der Episode liegt im daraus resultierenden Spiel mit den Geschlechterrollen, die Autolycus herrliche Dialoge beschert: "Yes, you see, a - a woman's chastity is like a new hat - A beautiful thing that's - going to kill me. Ah, what took you so long my dear, uh - finishing up my laundry?"
Ein besonderes Merkmal von Bruce Campbell und Autolycus sind sogenannte "one-liner jokes", also Witze die in einer kurzen Dialogzeile zum Ausdruck kommen. Zwei Beispiele:
Xena: "We need to talk."
Autolycus: "Talk is cheap, and I have an expensive ear." oder
Xena: "Malthus has a big ego, almost as big as yours."
Autolycus: "Nothing is as big as mine."
Die Episode enthält mit dem Raub der Truhe ein zentrales Element des Krimis, genauer gesagt des "Heist-Movies" (Raubfilm). In einem Heist-Movie geht es immer darum Geld, Juwelen oder ähnliches zu stehlen, die durch komplizierte Alarmsysteme geschützt und nur mit Hilfe eines raffinierten Plans zu erbeuten sind. Mit der kleinen Pointe, dass Xena und Autolycus die Truhe zurückbringen müssen, anstatt sie zu stehlen. Auch ein Genre in dem die Geschlechterrollen meist klar verteilt sind bzw. waren. Teilweise hört man in der Filmmusik auch Motive des klassischen Gangsterfilms. Höhepunkt von Xenas Frauenrolle ist der Schleiertanz. Autolycus: "For the entertainment of all - my very own Cherish and her dance of the - three veils. [Aside] Keep them interested and make me proud". Xena [Aside]: "You've got two veils!". Dies ist eine Anspielung auf den "Tanz der sieben Schleier" der biblischen Salome. Anlässlich der Geburtstagsfeier ihres Stiefvaters Herodes Antipas tanzt Salome die männlichen Zuschauer in eine derartige Begeisterung, dass ihr jeder Wunsch erfüllt wird. Auf Anweisung ihrer Mutter fordert sie den Kopf von Johannes dem Täufer. Bei Xena sind es nur drei bzw. zwei Schleier, dafür wird auch kein Heiliger geköpft. In der Kunst ist Salome ein klassisches Symbol der weiblichen Erotik. Eine kleine Einschränkung gibt es aber doch, denn mit ihrem athletisch stämmigen Körperbau strahlt Xena nicht unbedingt die leichte Grazie aus, die man sich üblicherweise von einem Tanz erhofft. Das passt hier aber ganz gut, denn es ist die Kriegerin in ungewohnter Frauenrolle und man weiß, allzu lang werden die männlichen Gäste keine Freude mehr haben.
Etwas spät in der Episode kommt der Schurke der Woche Sinteres ins Spiel. Seine Kampftechnik ist eine Parodie auf die frühen Hongkong Filme, wie den als Klassiker des "tierischen" Kung Fu bekannten "Die Schlange im Schatten des Adlers (1978)" mit Jackie Chan. Auch damals waren die Kampfbewegungen mit entsprechenden Geräuschen unterlegt und im Endkampf hört man das Whoosh Geräusch auch wenn Sinteres seinen Turban zurechtrückt. Manchmal liegt der Witz eben in kleinen Details.
Die Szene über die Öffnung der Bundeslade ist dem Film "Jäger des verlorenen Schatzes (1981)" entnommen. Abgesehen von einer bescheideneren, wenn auch diesmal gar nicht so schlechten Tricktechnik gibt es noch einen interessanten Unterschied. Indiana Jones und Marion müssen die Augen verschließen um nicht vom Zorn Gottes getroffen zu werden. Ausdruck der Ehrfurcht vor der heiligen Reliquie, die auch der ansonsten wenig zimperliche Antiquitätenjäger zeigt. Die ohne Erfurcht werden hingegen vernichtet. Bei Xena müssen unsere drei Helden dagegen offenen Auges ins Licht sehen "Don't fear the truth, face it; don't run". Und das ist bekanntlich eine der grundlegenden Botschaften der Serie. Und noch ein Detail: wenn Arkel im Feuer aufgeht, ist es Autolycus, der Mann, der die Augen zuhält weil er soviel Brutalität nicht mit ansehen kann. Die Geschlechterrollen sind wieder umgedreht und der männliche Held erweist sich als Sensibelchen. Am Ende sehen wir noch wie Gabrielle dem König der Diebe den Ring klaut, was man durchaus als endgültigen Niedergang des Nachfahren von Errol Flynn deuten kann. Aber was immer man über Männer im Allgemeinen und Autolycus im Besonderen denkt, soviel Demütigung hat er dann doch nicht verdient.

~ Bildkommentar ~

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Vorbild für Bruce Campbells Autolycus war Errol Flynn, hier in seiner berühmtesten Rolle in "Die Abenteuer des Robin Hood (1938)". Er hatte weder Probleme mit seinem Diebesgut, noch mit dem anderen Geschlecht. Knapp 60 Jahre später hat der Mann an sich mit beidem Probleme.
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"You're so young", Gabrielle denkt bei einem Ring noch an Romantik. Autolycus macht Xena einen farbenfrohen Bekleidungsvorschlag.
Immerhin hat er nicht den Fuchsschal mit Kopf gewählt.
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Weder Himmelbett noch Kerzen wirken. Am Ende liegt der arme Mann vor Dominatrix Xena am Boden.
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Dabei ist Autolycus eigentlich keine schlechte Partie, betrachtet man die Männer, die sonst in dieser Episode rumlaufen.
Malthus erklärt, dass er bald eine Diät plant und deshalb seine Schokoladenvorräte in der Geschenktruhe sicher verwahrt hat.
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Symbol der weiblichen Erotik: Salome und ihr "Tanz der sieben Schleier" (Gustave Moreau ca. 1876, Musée Gustave Moreau, Paris).
Bei Xena sind es zwar nur zwei Schleier, dafür muss auch kein Mann den Kopf verlieren - zumindest nicht im wörtlichen Sinne.
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Spiel mit den Regeln des Genres: Anstatt die Truhe kompliziert zu stehlen, müssen Autolycus und Xena sie kompliziert zurückbringen.
Spiel mit Arkel: kennen viele, von der einen oder von der anderen Seite.
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Eigentlich könnte das Leben so schön sein. Zur Abwechslung sitzen die Geschlechter friedlich beim Essen. Selbst an das Blumenbouquet hat man gedacht. Spielverderber Sinteres meint gerade jetzt seine Akupressurkenntnisse demonstrieren zu müssen.
Er hat die Frauen noch fest im Griff, wird die Episode aber nicht überleben.
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Sinteres hat seine Kampfkunst in Hongkong gelernt. Bei dem Klassiker was Ironie und tierisches Kung Fu angeht:
"Die Schlange im Schatten des Adlers (1978)". Die passenden Geräusche dazu gab es damals auch schon.
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Vom Kampf der Geschlechter ist Autolycus schon schwindelig geworden. Arkel hofft dass ihm ein Ratgeber noch hilft:
"Denn eine Leuchte ist das Gebot, die Belehrung ein Licht (Spr. 6,23)". Ob das bei den Frauenproblemen der beiden hilft?
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Feurige Gesetzestafeln: Heutzutage prägen Filme die Wahrnehmung mehr als theologische Studien oder die Logik. Interessantes Detail:
In "Jäger des verlorenen Schatzes (1981)" werden diejenigen vernichtet die ins Licht schauen, bei Xena diejenigen die wegschauen.
Nur wer sich der Wahrheit stellt kommt im Xenaverse weiter. Da kann selbst Indiana Jones noch was lernen.
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Autolycus nimmt kein Geld und gibt noch Reisetipps. Denn die Israeliten tragen zwar die Lade der Erleuchtung mit sich herum,
haben aber keinen blassen Schimmer von Geographie. Sonst würden sie auf dem Weg nach Jerusalem kaum über Griechenland reisen.
Als Dank klaut Gabrielle dem König der Diebe auch noch den Ring. Errol Flynns Zeiten sind endgültig vorbei.

~ Trivia ~